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Montag, 13. November 2017, 08:00 - 20:00
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„Superdünne Personaldecke in der Pflege: Herausforderungen und Chancen“

(Fünfter Oberhausener Pflegekongress am 9. November 2017)

Seit 2009 organisiert Bernadette Berger MHA, Pflegedirektorin am Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO), alle zwei Jahre den Oberhausener Pflegekongress. Mit 320 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Veranstaltung im LVR Industriemuseum erneut ausgebucht, denn die Gesundheitsbranche steht weiterhin vor großen Herausforderungen. „Die Pflege ist Motor und Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Dafür, dass Sie alle in diesem Beruf tätig sind, danke ich Ihnen.“ Mit diesen Worten begrüßte die Kongressleiterin das Publikum. „Ich selbst bin seit 44 Jahren in der Pflege tätig und ich bin stolz darauf. Unsere Auszubildenden sind die Zukunft des Unternehmens und gerade sie möchte ich dazu ermutigen, ebenfalls stolz auf ihre Arbeit zu sein.“ Die Schülerinnen und Schüler des KKO waren der Einladung zum Kongress ebenso gefolgt wie zahlreiche Pflegekräfte, Mediziner und viele andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie alle hatten Diskussionsbedarf und suchten neue Impulse für ihre Arbeit.

Prof. Dr. Anja Lüthy, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der TH Brandenburg, schilderte in ihrem Vortrag die schwierige Ausgangslage für viele Krankenhäuser: „2025 werden im Gesundheitswesen sechs Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen.“ Die Personaldecke wird also noch dünner werden. Die Frage, wie Kliniken in Zukunft neue Mitarbeiter finden, binden und halten können, beantwortete Prof. Lüthy mit zahlreichen Beispielen u.a. aus den Bereichen Social-Media-Nutzung, Unternehmens- und Führungskultur. „Sind diese Maßnahmen nicht viel zu teuer? Wie soll ein Unternehmen so viele Marketing-Aktivitäten bezahlen?“, fragte ein Auszubildender im Anschluss. Jutta Kappel, Ass.Jur., Personalleiterin beim Katholischen Hospitalverbund Hellweg, antwortete: „Die Kosten im Bereich Personalentwicklung machen sich für uns bezahlt. Wir haben eine geringere Fluktuation, weniger Krankheitstage und finden schneller gute Mitarbeiter.“ Heute dauert es durchschnittlich 150 Tage, bis eine Stelle in der Pflege in Deutschland neu besetzt wird. Der Katholische Hospitalverbund Hellweg schafft eine Nachbesetzung dagegen in 65 Tagen und setzt auf ein modernes Recruiting-Konzept u.a. mit einer individuellen Arbeitszeitgestaltung, Home-Office-Angeboten, Job-Sharing, Kinderbetreuung, Mitarbeitertagen, einer Mitarbeiter-App u.v.m. „Wir müssen uns als Gesundheitskonzern auf dem Arbeitsmarkt positionieren und einzigartig sein“, erklärte die Personalleiterin. Ganz ähnlich lautete auch das Credo von Jürgen Bock, Unternehmensberater: „Eine attraktive Unternehmenskultur trägt dazu bei, dass Mitarbeiter sich mit den Unternehmen identifizieren und sich voll engagieren, Bewerber sich von dieser angesprochen fühlen.“

Neben der Gewinnung neuer Mitarbeiter waren auch die Bindung und Unterstützung der vorhandenen Pflegekräfte wichtige Themen. Wie ein Fachkräftesicherungskonzept für die Pflege aussehen kann, erläuterte Prof. Dr. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.. Sarah Lukuc gab Einblicke in ihr Studium der Fachrichtung Pflegemanagement und Andreas Westerfellhaus, Präsident Deutscher Pflegerat a.D., fragte in seinem Vortrag „Welche Erwartungen haben wir an die Profession Pflege?“. Abgerundet wurde das Tagesprogramm mit einem Best-Practice-Beispiel zum Thema „Weil Pflege Zeit für Pflege braucht – deshalb sollte Software ihr Partner sein.“

Bernadette Berger bedankte sich bei allen Referentinnen und Referenten für die interessanten Einblicke und Impulse. Sie fasste zusammen: „Pflege sollte sich aus dem vermeintlichen Jammertal heraus bewegen und sich mehr den zukünftigen Herausforderungen stellen. Ich hoffe, dass die heutigen Vorträge einige Ideen liefern konnten, wie wir trotz hoher Arbeitsverdichtung in den Gesundheits- und Pflegeberufen positiv in die Zukunft blicken können.“

Foto: Bernadette Berger MHA (3.v.l.), Pflegedirektorin am KKO und Kongressleiterin, freut sich mit den Referentinnen und Referenten über eine gelungene Veranstaltung.

(V.l.n.r.:) Jürgen Bock, Unternehmensberater, Frau Ulrike Anzinger, Dipl. Pflegewirtin (FH) und Pflegedienstleitung in den LAKUMED Kliniken, Bernadette Berger, Jutta Kappel, Personalleiterin Kath. Hospitalverbund Hellweg gGmbH, Herr Andreas Schneider MBA, Sozialstiftung Bamberg, Sandra Mantz, Leiterin der SprachGUT®-Akademie, Prof. Dr. Anja Lüthy, Professorin der TH Brandenburg.

 
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