Aktuelles

 
Dienstag, 16. Mai 2017, 08:00 - 20:00
kko-schluckuntersuchung_web.jpg

Viele ältere Menschen haben Schluckstörungen – ohne es zu bemerken. Neurologische Grunderkrankungen wie z.B. Schlaganfall, Demenz oder Parkinson können die Schluckbewegung ebenso beeinträchtigen wie Kauprobleme. Diese werden in vielen Fällen ausgelöst durch Karies, Kieferschmerzen oder schlecht angepasste Zahnprothesen. Aus medizinischer Sicht sollten Schluckprobleme nicht unterschätzt werden. Wenn man nicht mehr richtig kauen oder schlucken kann, wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Kalorien versorgt, eine Mangelernährung droht. Falsches Schlucken kann aber auch dazu führen, dass Nahrung über die Luftröhre in die Lunge gelangt und eine Lungenentzündung verursacht. Häufiges Verschlucken bei den Mahlzeiten, wiederholter Husten nach dem Schlucken oder Gewichtsverlust sind mögliche Anzeichen für eine Schluckstörung. „Die Schluckendoskopie ist ein modernes Verfahren, um Patienten beim Schlucken live zu beobachten und mögliche Probleme festzustellen“, erklärt Dr. med. Mario Reisen-Statz, Chefarzt der Klinik für Medizin im Alter am St. Clemens-Hospital. Vor allem im Bereich der Altersmedizin nutzen die Ärzte diese Diagnosemöglichkeit, denn hier haben durchschnittlich ca. 70% aller Patienten nachweisbare Probleme beim Kauen oder Schlucken. „Aufgrund der hohen klinischen Relevanz für unsere Patienten werden bei uns alle Patienten mit neurologischen Grunderkrankungen und typischen Folgeerkrankungen, z.B. wiederholte Infekte der Bronchien und Lunge, generell auf das Vorliegen einer Schluckstörung gescreent und ggf. endoskopisch untersucht.“

Bei der Untersuchung wird ein dünnes Endoskop durch die Nase in den Rachenraum geschoben. Eine Kamera an der Spitze des Instrumentes überträgt die Aufnahmen des Schluckprozesses auf einen Computer-Monitor. So kann der Arzt die am Schlucken beteiligten Muskeln beobachten und den Schluckakt genau untersuchen. Auch speziell aufbereitete Testnahrung in unterschiedlicher Konsistenz (flüssig, breiig, fest) kommt zum Einsatz, um die vielfältigen Veränderungen beim Schlucken zu beobachten. Die Mediziner prüfen z.B. Reflexe, Zungen- und Kaubewegungen, die Beschaffenheit der Schleimhaut und die Bewegung der Stimmbänder. „Nach der Endoskopie werden die Untersuchungsergebnisse interdisziplinär mit den Kollegen beurteilt. Wir entscheiden bei jedem Einzelfall, ob eine individuelle Schlucktherapie mit logopädischer Begleitung sinnvoll ist und legen den Therapieplan individuell fest“, so Dr. Reisen-Statz. In den meisten Fällen wird ein Training des Schluckaktes empfohlen, auch eine Haltungsänderung beim Schlucken oder Hilfsmittel z.B. für die Einnahme von Medikamenten können hilfreich sein. Zusätzlich sollte die Nahrung an die spezifische Schluckstörung angepasst werden.

Foto: Dr. med. Mario Reisen-Statz, Chefarzt der Klinik für Medizin im Alter am St. Clemens-Hospital, und seine Mitarbeiterin Anja Voß benutzen für die Schluckendoskopie ein sehr dünnes und flexibles Endoskop, das normalerweise bei der Untersuchung von Kindern verwendet wird. Foto: KKO

 
/

Zurück