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Wann: Donnerstag, 6. Juni 2019, 08:00 - 20:00

Wenn Schmerz das Leben bestimmt

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BU: Dr. Elke Fortkamp-Schneider nimmt sich viel Zeit für ihre Patienten. Schmerz hat viele Facetten, daher ist ein intensiver Austausch zwischen allen Beteiligten sehr wichtig.

Wenn Schmerz das Leben bestimmt

Seit über 15 Jahren leidet Ines M. unter Fibromyalgie, eine chronische Schmerzerkrankung, die auch als Muskel-Faser-Schmerz bezeichnet wird. Fibromyalgie ist nicht heilbar und viele Patienten haben eine Odyssee an Arztbesuchen und Behandlungen hinter sich, bis sie endlich eine Diagnose erhalten. So auch Ines M. Es dauerte ein ganzes Jahrzehnt, bis sie eine Therapie erhält, die ihr nachhaltig Beschwerden nimmt und endlich Lebensqualität zurückgibt. Seit 2012 wird die 55-Jährige in der Klinik für Schmerzmedizin im St. Marien-Hospital des Katholischen Klinikums Oberhausen betreut und ist endlich zur Ruhe gekommen.

 

Heute ist kein guter Tag. „Feuchtkaltes Wetter macht mir ganz schön zu schaffen“, berichtet Ines M. (Name von der Redaktion geändert). Tatsächlich haben Schmerzpatienten eine niedrigere Reizschwelle und reagieren entsprechend heftig auf sich verändernde Wetterreize. Doch damit kann die Oberhausenerin mittlerweile gut umgehen. „Ablenkung und viel Ruhe helfen“, weiß die 55-Jährige, die sich über viele Jahre intensiv mit ihren Beschwerden beschäftigt und nach Lösungen gesucht hat. „Damals war das Krankheitsbild noch nicht bekannt. Zum Glück hat sich mittlerweile sehr viel getan“, berichtet M.

„Jede Berührung tut weh.“

Nacken- und Schulterschmerzen, Ziehen im Rücken – als die ersten Schmerzen auftraten, schob die ehemalige leitende Angestellte eines Kreditinstituts ihre Beschwerden noch auf die sitzende Tätigkeit. Doch schon bald strahlten die Schmerzen in Arme und Beine und waren kaum auszuhalten. „Wie ein extrem starker Muskelkater fühlt sich das an. Als würden Sehnen und Muskeln auseinanderreißen“, beschreibt M. die Symptome. „Jede Berührung tut weh.“ Krankengymnastik, Sport, Osteopathie, Massagen, diverse Kuren und Therapien – keine Behandlung konnte langfristig helfen, kein Arzt etwas finden. Die Patientin verzweifelte zunehmend. „Ich habe alles ausprobiert, bin zu Alternativmedizinern gegangen, habe zweimal im Jahr eine Fastenkur gemacht und lernte nahezu alle Schmerzkliniken der Umgebung kennen.“ Weil sie während des Heilfastens tatsächlich weniger Schmerzen hatte, änderte sie ihre Essensgewohnheiten. Erst durch Zufall kam es schließlich zu einer Diagnose: Als sie während einer Kur den dort praktizierenden Arzt besuchte, bescheinigte er ihr die Fibromyalgie.

Fibromyalgie ist eine Ausschlusskrankheit

„Endlich hatte das Kind einen Namen und ich wurde ernst genommen“, erinnert sich M. – was nichts daran änderte, dass sich ihr Zustand weiter verschlechterte und schließlich in der Erwerbsunfähigkeit mündete – eine Katastrophe für die sonst so aktive und zielbewusste Frau. Ihr komplettes Leben hat sich durch die Krankheit verändert: Neben dem beruflichen Aus veränderten sich Freundschaften, zerbrach die Ehe und eine Teilhabe am normalen Leben war durch die starken Schmerzmittel sowie die unkontrollierten Schmerzschübe kaum möglich. „Die Medikamente haben mich regelrecht lahmgelegt.“  Um ihre eigene Lebenskrise zu verstehen und zu verarbeiten besuchte sie viele Weiterbildungen und fand neue, sie erfüllende Aufgaben.  Heute weiß sie: Fibromyalgie ist eine Ausschlusskrankheit. Was für Ines M. bedeutete, dass sie unzählige Therapien und Reha-Maßnahmen durchlaufen musste, bis nur noch die Fibromyalgie übrig blieb. „ Das ist eine reine Zeit- und Geldverschwendung“, findet M.

Mit der multimodalen Schmerztherapie zu mehr Lebensqualität

Erst ein Aufenthalt in der Klinik für Schmerzmedizin im St. Marien-Hospital des Katholischen Klinikums Oberhausen verbesserte ihren Zustand nachhaltig. Hier wurde ein anderer Ansatz verfolgt und Ines M. auf eine Arzneimittel-Kombination eingestellt, bei der sie einen klaren Kopf behalten konnte. 2015 wurde sie schließlich in eine neue Form der ganzheitlichen und kombinierten Schmerzbehandlung eingebunden: die multimodale Schmerztherapie. „Hierbei machen sich Ärzte verschiedener Fachbereiche ein Bild über den Patienten und entwickeln gemeinsam ein individuelles Behandlungskonzept, um die Schmerzen unserer Patienten soweit es geht zu reduzieren und gleichzeitig ihre Teilhabe am Leben so gut wie möglich zu stärken“, erklärt Chefärztin Frau Dr. Elke Fortkamp-Schneider. „Ein Spagat, der uns bei Frau M. gelungen ist.“ Die multimodale Schmerztherapie umfasst im Wesentlichen Physiotherapie, gezieltes Sporttraining, Entspannungstechniken, eine fein abgestimmte Medikation, ausführliche Information und psychologische Gespräche. „Wir kombinieren verschiedene, sich ergänzende Therapieverfahren, mit denen unsere Patienten Möglichkeiten erlernen, die Auswirkungen einer chronischen Schmerzerkrankung auf den körperlichen, seelischen und sozialen Bereich Ihres Lebens zu verringern“, betont die Schmerztherapeutin.  Zweimal im Jahr begibt sich Ines M. in die stationäre Schmerztherapie. „Ich fühle mich gut betreut und informiert, so dass ich mich weniger mit der Krankheit beschäftige. Hier kann ich mich ganz auf die Fachärzte verlassen. Mein Suchen hat endlich ein Ende gefunden.“ Während viele Häuser aus finanziellen Gründen die Abteilungen für Schmerztherapie schließen, baut das Katholische Klinikum diesen Bereich weiter aus, und bietet chronischen Schmerzpatienten eine wichtige Anlaufstelle.

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